Zum Inhalt

Grammatik-Referenz (B1)

Alle wichtigen B1-Grammatikthemen — erklärt durch Beispiele aus dem Alltag. Keine trockenen Tabellen — zuerst die Beispiele, dann die Regel.

← Zurück zum Index


1. Adjektivdeklination (Adjective Endings)

Adjektivendungen sind schwierig — aber du benutzt sie jeden Tag. Lern sie durch Sätze, nicht durch Tabellen.


1a. Nach bestimmtem Artikel (der/die/das)

Beispiele aus dem Alltag:

  1. Ich nehme den frischen Fisch, bitte. (Akk, maskulin)
  2. I'll take the fresh fish, please.

  3. Die kleine Wohnung in der Altstadt ist leider schon vermietet. (Nom, feminin)

  4. The small apartment in the old town is unfortunately already rented out.

  5. Hast du dem neuen Kollegen schon alles gezeigt? (Dat, maskulin)

  6. Have you shown the new colleague everything yet?

  7. Die Farbe des alten Hauses gefällt mir nicht. (Gen, neutrum)

  8. I don't like the color of the old house.

  9. Wo sind die sauberen Handtücher? (Nom, Plural)

  10. Where are the clean towels?

Die Regel: Nach bestimmtem Artikel ist die Endung fast immer -en — außer im Nominativ (m/f/n) und Akkusativ (f/n), da ist es -e.

Maskulin Feminin Neutrum Plural
Nom der große die kleine das alte die neuen
Akk den großen die kleine das alte die neuen
Dat dem großen der kleinen dem alten den neuen
Gen des großen der kleinen des alten der neuen

Eselsbrücke: 5x -e, alles andere -en. Die 5 Fälle mit -e bilden ein "Kreuz": Nom m/f/n + Akk f/n.

Mehr Beispiele:

  1. Kannst du das blaue Hemd aus dem Schrank holen? [informell]
  2. Can you get the blue shirt from the wardrobe?

  3. Ich möchte den günstigen Tarif, bitte. [formal]

  4. I'd like the cheaper rate, please.

1b. Nach unbestimmtem Artikel (ein/eine/kein)

Beispiele aus dem Alltag:

  1. Sie trägt eine rote Jacke und einen schwarzen Schal. (Akk, f + m)
  2. She's wearing a red jacket and a black scarf.

  3. Ein junger Mann hat nach dir gefragt. (Nom, maskulin)

  4. A young man asked for you.

  5. Ich suche ein ruhiges Café in der Nähe. (Akk, neutrum)

  6. I'm looking for a quiet café nearby.

  7. Er wohnt bei einer älteren Dame zur Untermiete. (Dat, feminin)

  8. He lives as a subtenant with an older lady.

  9. Wir brauchen keinen neuen Drucker — der alte funktioniert noch. (Akk, maskulin)

  10. We don't need a new printer — the old one still works.

Die Regel: Das Adjektiv übernimmt die Endung, die dem Artikel "fehlt". Ein zeigt kein Geschlecht → das Adjektiv zeigt es: ein großer Mann (der), ein kleines Kind (das).

Maskulin Feminin Neutrum Plural (kein)
Nom ein großer eine kleine ein altes keine neuen
Akk einen großen eine kleine ein altes keine neuen
Dat einem großen einer kleinen einem alten keinen neuen
Gen eines großen einer kleinen eines alten keiner neuen

Mehr Beispiele:

  1. Ich habe mir ein neues Handy gekauft. [informell]
  2. I bought myself a new phone.

  3. Wir suchen einen erfahrenen Mitarbeiter für unser Team. [formal]

  4. We are looking for an experienced employee for our team.

1c. Ohne Artikel (Nullartikel)

Beispiele aus dem Alltag:

  1. Kalter Kaffee schmeckt mir nicht. (Nom, maskulin)
  2. I don't like cold coffee.

  3. In der Zeitung: Helle Wohnung mit großem Balkon und moderner Küche zu vermieten. (Nom + Dat)

  4. Bright apartment with large balcony and modern kitchen for rent.

  5. Bei schlechtem Wetter bleiben wir zu Hause. (Dat, neutrum)

  6. In bad weather we stay at home.

  7. Zu diesem Kleid passt roter Lippenstift am besten. (Nom, maskulin)

  8. Red lipstick suits this dress best.

  9. Hast du Lust auf frischen Orangensaft? (Akk, maskulin)

  10. Do you fancy fresh orange juice?

Die Regel: Ohne Artikel zeigt das Adjektiv den Kasus allein — die Endungen sind wie die Endungen des bestimmten Artikels (der → -er, die → -e, das → -es, dem → -em, den → -en).

Maskulin Feminin Neutrum Plural
Nom kalter frische warmes neue
Akk kalten frische warmes neue
Dat kaltem frischer warmem neuen
Gen kalten frischer warmen neuer

Mehr Beispiele (Wohnungsanzeigen, Einkaufen):

  1. Zu verkaufen: Gebrauchter Kühlschrank in gutem Zustand.
  2. For sale: Used fridge in good condition.

  3. Möchten Sie deutschen oder französischen Käse? [formal]

  4. Would you like German or French cheese?

  5. Herzlichen Glückwunsch zum Geburtstag!

  6. Happy birthday! (Literally: heartfelt congratulations)

2. Komparativ und Superlativ


2a. Regelmäßige Formen

Beispiele:

  1. Mein neues Handy ist schneller als mein altes.
  2. My new phone is faster than my old one.

  3. Dieses Restaurant ist billiger als das italienische, aber das Essen ist dort leckerer.

  4. This restaurant is cheaper than the Italian one, but the food there is tastier.

  5. Der ICE ist am schnellsten, allerdings auch am teuersten.

  6. The ICE is the fastest, however also the most expensive.

  7. Im Sommer sind die Tage länger als im Winter.

  8. In summer the days are longer than in winter.

Die Regel:

Grundform Komparativ Superlativ
schnell schneller am schnellsten
billig billiger am billigsten
langsam langsamer am langsamsten
lecker leckerer am leckersten

Struktur: A ist ...er als B. / A ist am ...sten.


2b. Mit Umlaut (a→ä, o→ö, u→ü)

Beispiele:

  1. Berlin ist größer als München, aber München ist teurer.
  2. Berlin is bigger than Munich, but Munich is more expensive.

  3. Mein Bruder ist drei Jahre älter als ich, trotzdem sehe ich älter aus.

  4. My brother is three years older than me, nevertheless I look older.

  5. Im Winter wird es kälter, und im Sommer wird es wärmer.

  6. In winter it gets colder, and in summer it gets warmer.

  7. Meine Oma ist die Klügste in der Familie — sie hat immer den besten Rat.

  8. My grandma is the wisest in the family — she always has the best advice.
Grundform Komparativ Superlativ
alt älter am ältesten
groß größer am größten
jung jünger am jüngsten
kurz kürzer am kürzesten
kalt kälter am kältesten
warm wärmer am wärmsten
stark stärker am stärksten
klug klüger am klügsten

2c. Unregelmäßige Formen

Beispiele:

  1. Das Wetter war gestern schlecht, aber heute ist es noch schlechter. Am Wochenende soll es am schlimmsten werden.
  2. The weather was bad yesterday, but today it's even worse. On the weekend it's supposed to be the worst.

  3. Ich koche gern, aber ich esse lieber auswärts. Am liebsten gehe ich ins griechische Restaurant.

  4. I like cooking, but I prefer eating out. Most of all I like going to the Greek restaurant.

  5. Viele Leute fahren mit dem Auto, aber noch mehr nehmen die U-Bahn. Die meisten gehen zu Fuß.

  6. Many people drive, but even more take the subway. Most walk.
Grundform Komparativ Superlativ
gut besser am besten
gern lieber am liebsten
viel mehr am meisten
hoch höher am höchsten
nah näher am nächsten

2d. "je ... desto / umso"

Beispiele:

  1. Je länger ich Deutsch lerne, desto leichter wird es.
  2. The longer I learn German, the easier it gets.

  3. Je mehr du übst, umso besser wirst du.

  4. The more you practice, the better you'll get.

  5. Je früher wir losfahren, desto weniger Stau haben wir.

  6. The earlier we leave, the less traffic we'll have.

Struktur: Je + Komparativ ..., desto/umso + Komparativ + Verb + Subjekt. Achtung: Nach je steht das Verb am Ende (Nebensatz), nach desto/umso steht das Verb direkt nach dem Komparativ (Inversion).


3. Präpositionen mit Kasus


3a. Präpositionen mit Akkusativ

für, um, durch, gegen, ohne, bis, entlang

Beispiele:

  1. Das Geschenk ist für meinen Vater. (für + Akk)
  2. The gift is for my father.

  3. Wir gehen um den Park herum und dann geradeaus. (um + Akk)

  4. We walk around the park and then straight ahead.

  5. Der Zug fährt durch einen langen Tunnel. (durch + Akk)

  6. The train goes through a long tunnel.

  7. Ich bin gegen diesen Vorschlag, weil er unfair ist. (gegen + Akk)

  8. I'm against this proposal because it's unfair.

  9. Ohne meinen Kaffee am Morgen kann ich nicht funktionieren. (ohne + Akk)

  10. Without my coffee in the morning I can't function.

  11. Gehen Sie die Straße entlang bis zur Ampel. (entlang + Akk, nachgestellt)

  12. Walk along the street to the traffic light.

Merksatz: F-U-D-G-O-B-E — Für, Um, Durch, Gegen, Ohne, Bis, Entlang → immer Akkusativ.

Mehr Beispiele:

  1. Er hat gegen die Tür geschlagen. [informell]
  2. He banged against the door.

  3. Können Sie das bitte bis nächsten Montag erledigen? [formal]

  4. Can you please take care of that by next Monday?

3b. Präpositionen mit Dativ

mit, nach, bei, seit, von, zu, aus, außer, gegenüber

Beispiele:

  1. Ich fahre jeden Tag mit der Straßenbahn zur Arbeit. (mit + Dat)
  2. I take the tram to work every day.

  3. Nach dem Unterricht gehe ich einkaufen. (nach + Dat)

  4. After class I go shopping.

  5. Sie wohnt bei ihrer Schwester, bis sie eine eigene Wohnung findet. (bei + Dat)

  6. She lives with her sister until she finds her own apartment.

  7. Ich lerne seit einem Jahr Deutsch. (seit + Dat)

  8. I've been learning German for a year.

  9. Die E-Mail ist von meinem Chef. (von + Dat)

  10. The email is from my boss.

  11. Kommst du heute Abend zu mir? (zu + Dat) [informell]

  12. Are you coming to my place tonight?

  13. Er kommt aus der Türkei und lebt seit drei Jahren in Wien. (aus + Dat, seit + Dat)

  14. He comes from Turkey and has been living in Vienna for three years.

  15. Außer meinem Bruder war niemand zu Hause. (außer + Dat)

  16. Apart from my brother, nobody was at home.

  17. Die Bushaltestelle ist gegenüber dem Supermarkt. (gegenüber + Dat)

  18. The bus stop is across from the supermarket.

Merksatz: MNABSVZAG — oder: "Mit nach bei seit von zu aus außer gegenüber" → immer Dativ.

Verschmelzungen: bei + dem = beim, von + dem = vom, zu + dem = zum, zu + der = zur


3c. Wechselpräpositionen (Akkusativ ODER Dativ)

in, an, auf, über, unter, neben, zwischen, vor, hinter

Das ist das Thema, bei dem alle Fehler machen. Die Regel ist eigentlich einfach:

Wohin? (Bewegung/Richtung) → Akkusativ Wo? (Position/Ort) → Dativ

Beispiele — Wohin? (Akkusativ):

  1. Ich stelle die Tasse auf den Tisch. (wohin? → Akk)
  2. I put the cup on the table.

  3. Er hängt das Bild an die Wand. (wohin? → Akk)

  4. He hangs the picture on the wall.

  5. Die Kinder laufen in den Garten. (wohin? → Akk)

  6. The children run into the garden.

  7. Leg die Schlüssel bitte neben die Lampe. (wohin? → Akk)

  8. Put the keys next to the lamp, please.

Beispiele — Wo? (Dativ):

  1. Die Tasse steht auf dem Tisch. (wo? → Dat)
  2. The cup is on the table.

  3. Das Bild hängt an der Wand. (wo? → Dat)

  4. The picture hangs on the wall.

  5. Die Kinder spielen in dem (= im) Garten. (wo? → Dat)

  6. The children are playing in the garden.

  7. Die Schlüssel liegen neben der Lampe. (wo? → Dat)

  8. The keys are next to the lamp.

Tipp: stellen/legen/setzen/hängen (mit Akk) → stehen/liegen/sitzen/hängen (mit Dat) Das Verb verrät den Kasus: Wenn du etwas irgendwohin bewegst → Akkusativ. Wenn etwas irgendwo ist → Dativ.

Verschmelzungen: in + dem = im, in + das = ins, an + dem = am, an + das = ans

Alltagsdialog:

— Wo ist mein Handy? — Es liegt auf dem Sofa. (wo → Dat) — Ach, ich hab es vorhin auf das (= aufs) Sofa gelegt. (wohin → Akk)

Achtung — Abstrakte Bedeutung: Bei abstrakten Ausdrücken gelten feste Präpositionen: - Ich warte auf den Bus. (Akk — nicht weil Bewegung, sondern weil "warten auf" immer Akk ist) - Er denkt an seine Familie. (Akk — "denken an" ist fest mit Akk)


3d. Präpositionen mit Genitiv

wegen, trotz, während, innerhalb, außerhalb, statt/anstatt

Beispiele:

  1. Wegen des schlechten Wetters bleiben wir zu Hause. [formal]
  2. Because of the bad weather we're staying at home.

  3. Wegen dem schlechten Wetter bleiben wir zu Hause. [informell — Dativ statt Genitiv, in der Umgangssprache akzeptiert]

  4. Trotz der vielen Arbeit hat sie immer gute Laune. [formal]

  5. Despite the lots of work, she's always in a good mood.

  6. Während des Meetings sollten alle Handys aus sein. [formal]

  7. During the meeting all phones should be off.

  8. Die Lösung muss innerhalb einer Woche kommen. [formal]

  9. The solution must come within a week.

  10. Das Parken ist außerhalb des Geländes kostenlos.

  11. Parking is free outside the premises.

Tipp für die Umgangssprache: In der gesprochenen Sprache verwenden viele Deutsche wegen + Dativ ("wegen dem Wetter"). In der Prüfung und in formellen Texten: immer Genitiv.


4. Modalverben — Vollständige Referenz


4a. können (can, to be able to)

Bedeutung 1: Fähigkeit (ability)

  1. Kannst du schwimmen? — Ja, ich kann gut schwimmen.
  2. Can you swim? — Yes, I can swim well.

  3. Mein Sohn kann schon lesen, obwohl er erst fünf ist.

  4. My son can already read, although he's only five.

Bedeutung 2: Erlaubnis (permission) [informell]

  1. Kann ich hier kurz telefonieren? [informell]
  2. Can I make a quick call here?

Bedeutung 3: Möglichkeit (possibility)

  1. Das kann passieren — mach dir keine Sorgen.
  2. That can happen — don't worry.
Präsens Präteritum
ich kann konnte
du kannst konntest
er/sie/es kann konnte
wir können konnten
ihr könnt konntet
sie/Sie können konnten

4b. müssen (must, to have to)

Bedeutung: Notwendigkeit/Pflicht (necessity/obligation)

  1. Ich muss morgen um 6 Uhr aufstehen, weil ich einen frühen Termin habe.
  2. I have to get up at 6 tomorrow because I have an early appointment.

  3. Du musst dich bis Freitag anmelden, sonst bekommst du keinen Platz.

  4. You have to register by Friday, otherwise you won't get a spot.

  5. Kinder müssen bis 18 Uhr zu Hause sein.

  6. Children have to be home by 6 PM.

Achtung — Verneinung: "nicht müssen" = nicht brauchen (don't have to), NICHT "dürfen nicht" (must not)!

  1. Du musst heute nicht arbeiten — es ist Feiertag. (= du brauchst nicht zu arbeiten)
  2. You don't have to work today — it's a holiday.
Präsens Präteritum
ich muss musste
du musst musstest
er/sie/es muss musste
wir müssen mussten
ihr müsst musstet
sie/Sie müssen mussten

4c. dürfen (may, to be allowed to)

Bedeutung 1: Erlaubnis (permission)

  1. Darf ich hier rauchen? — Nein, hier dürfen Sie leider nicht rauchen. [formal]
  2. May I smoke here? — No, unfortunately you may not smoke here.

  3. Ab 18 darf man in Deutschland Alkohol kaufen.

  4. From 18 you're allowed to buy alcohol in Germany.

Bedeutung 2: Verbot (prohibition) — dürfen + nicht

  1. Man darf hier nicht parken — sonst bekommt man einen Strafzettel.
  2. You mustn't park here — otherwise you'll get a ticket.

  3. Im Krankenhaus darf man nicht laut telefonieren.

  4. You're not allowed to talk loudly on the phone in the hospital.

müssen nicht vs. dürfen nicht: - Du musst nicht kommen. = You don't have to come. (keine Pflicht) - Du darfst nicht kommen. = You're not allowed to come. (Verbot)

Präsens Präteritum
ich darf durfte
du darfst durftest
er/sie/es darf durfte
wir dürfen durften
ihr dürft durftet
sie/Sie dürfen durften

4d. sollen (should, to be supposed to)

Bedeutung 1: Empfehlung / Rat (advice)

  1. Du sollst mehr Wasser trinken — hat der Arzt gesagt.
  2. You should drink more water — the doctor said.

  3. Der Arzt sagt, ich soll weniger Kaffee trinken.

  4. The doctor says I should drink less coffee.

Bedeutung 2: Auftrag / Pflicht (instruction, duty)

  1. Ich soll dir von Maria ausrichten, dass sie sich verspätet.
  2. I'm supposed to tell you from Maria that she'll be late.

Bedeutung 3: Vorschlag als Frage

  1. Soll ich dir helfen? [informell]
  2. Shall I help you?

müssen vs. sollen: - Du musst zum Arzt gehen. = You have to go to the doctor. (Pflicht, keine Wahl) - Du solltest zum Arzt gehen. = You should go to the doctor. (Empfehlung, deine Entscheidung)

Präsens Präteritum
ich soll sollte
du sollst solltest
er/sie/es soll sollte
wir sollen sollten
ihr sollt solltet
sie/Sie sollen sollten

4e. wollen (to want to)

Beispiele:

  1. Ich will nächstes Jahr nach Japan reisen.
  2. I want to travel to Japan next year.

  3. Er will Arzt werden, deshalb studiert er Medizin.

  4. He wants to become a doctor, that's why he studies medicine.

  5. Willst du mitkommen, oder willst du lieber zu Hause bleiben? [informell]

  6. Do you want to come along, or would you rather stay at home?

  7. Die Kinder wollten gestern nicht ins Bett gehen.

  8. The children didn't want to go to bed yesterday.
Präsens Präteritum
ich will wollte
du willst wolltest
er/sie/es will wollte
wir wollen wollten
ihr wollt wolltet
sie/Sie wollen wollten

4f. mögen / möchten (to like / would like)

mögen — Vorliebe (to like)

  1. Ich mag keinen Spinat — aber Brokkoli mag ich.
  2. I don't like spinach — but I like broccoli.

  3. Magst du klassische Musik? [informell]

  4. Do you like classical music?

möchten — höflicher Wunsch (would like) [formal]

  1. Ich möchte bitte einen Kaffee und ein Stück Kuchen. [formal]
  2. I would like a coffee and a piece of cake, please.

  3. Möchten Sie bar oder mit Karte bezahlen? [formal]

  4. Would you like to pay cash or by card?
mögen (Präsens) möchten (Konjunktiv)
ich mag möchte
du magst möchtest
er/sie/es mag möchte
wir mögen möchten
ihr mögt möchtet
sie/Sie mögen möchten

4g. Subjektive Modalverben (B1+)

Wenn Modalverben eine Vermutung oder Hörensagen ausdrücken:

  1. Er soll sehr reich sein. (Man sagt, er ist sehr reich.)
  2. He's supposed to be / apparently he's very rich.

  3. Sie will in Harvard studiert haben. (Sie behauptet das, aber ich bin nicht sicher.)

  4. She claims to have studied at Harvard.

  5. Der Unfall soll gestern Abend passiert sein. (laut Berichten)

  6. The accident apparently happened yesterday evening.

  7. Das muss ein Missverständnis sein. (Ich bin fast sicher.)

  8. That must be a misunderstanding.

  9. Er kann nicht zu Hause sein — sein Auto steht nicht da.

  10. He can't be at home — his car isn't there.

Zusammenfassung subjektive Bedeutung: - muss → fast sicher (90%): "Das muss stimmen." - kann → möglich (50%): "Das kann sein." - kann nicht → unmöglich: "Das kann nicht wahr sein." - soll → Hörensagen: "Er soll krank sein." (Jemand hat das gesagt.) - will → Behauptung (unbewiesen): "Er will es nicht gewusst haben."


5. Passiv


5a. Vorgangspassiv (werden + Partizip II)

Wann benutzt man Passiv? Wenn die Handlung wichtiger ist als die Person. Typisch für: Nachrichten, Regeln, Prozesse, Beschwerden.

Präsens Passiv:

  1. Die Straße wird gerade repariert, deshalb gibt es einen Umweg.
  2. The street is being repaired, that's why there's a detour.

  3. In Deutschland wird viel Brot gegessen.

  4. A lot of bread is eaten in Germany.

  5. Das Paket wird morgen geliefert.

  6. The package will be delivered tomorrow.

Präteritum Passiv:

  1. Meine Beschwerde wurde leider nicht bearbeitet. [formal]
  2. My complaint was unfortunately not processed.

  3. Die neue Brücke wurde letztes Jahr gebaut.

  4. The new bridge was built last year.

Perfekt Passiv:

  1. Das Auto ist endlich repariert worden.
  2. The car has finally been repaired.

  3. Mir ist gesagt worden, dass ich bis 17 Uhr warten muss.

  4. I was told that I have to wait until 5 PM.

Die Formen:

Zeitform Struktur Beispiel
Präsens wird + Partizip II Das Haus wird gebaut.
Präteritum wurde + Partizip II Das Haus wurde gebaut.
Perfekt ist + Partizip II + worden Das Haus ist gebaut worden.
Plusquamperfekt war + Partizip II + worden Das Haus war gebaut worden.

Achtung: Im Perfekt Passiv: "geworden" wird zu "worden" (ohne ge-).


5b. Passiv mit Modalverben

Beispiele:

  1. Das muss sofort erledigt werden. [formal]
  2. That must be done immediately.

  3. Der Antrag kann online ausgefüllt werden. [formal]

  4. The application can be filled out online.

  5. Dieses Gebäude darf nicht abgerissen werden.

  6. This building may not be demolished.

  7. Die Rechnung soll bis Ende des Monats bezahlt werden. [formal]

  8. The bill is supposed to be paid by the end of the month.

Struktur: Modalverb (konjugiert) + Partizip II + werden (am Ende)


5c. Passiv in Alltagssituationen

Bei der Behörde:

  1. Ihr Antrag wird gerade geprüft. Bitte haben Sie etwas Geduld. [formal]
  2. Your application is currently being reviewed. Please be patient.

Beschwerde schreiben:

  1. Mir wurde ein falsches Produkt geliefert, außerdem wurde die Verpackung beschädigt.
  2. I was delivered a wrong product, additionally the packaging was damaged.

Nachrichten:

  1. Bei dem Unfall wurden drei Personen verletzt. Die Straße wurde für mehrere Stunden gesperrt.
  2. Three people were injured in the accident. The street was closed for several hours.

6. Konjunktiv II — Vollständiger Guide


6a. Höfliche Bitten und Wünsche

Im Restaurant / Geschäft:

  1. Ich hätte gern einen Cappuccino, bitte. [formal]
  2. I would like a cappuccino, please.

  3. Könnten Sie mir bitte die Karte bringen? [formal]

  4. Could you please bring me the menu?

  5. Würden Sie bitte das Fenster öffnen? [formal]

  6. Would you please open the window?

  7. Wäre es möglich, einen Termin für Montag zu bekommen? [formal]

  8. Would it be possible to get an appointment for Monday?

  9. Dürfte ich kurz stören? [formal]

  10. Might I briefly interrupt?

Die wichtigsten Formen:

Infinitiv Konjunktiv II Verwendung
haben hätte Wunsch ("Ich hätte gern...")
sein wäre Zustand ("Das wäre schön")
können könnte Höfliche Bitte ("Könnten Sie...?")
werden würde Allgemein ("Würden Sie...?")
dürfen dürfte Sehr höflich ("Dürfte ich...?")
sollen sollte Ratschlag ("Du solltest...")
müssen müsste Vermutung ("Das müsste klappen")

Tipp: Im Alltag reicht würde + Infinitiv für die meisten Verben. Nur bei haben, sein, können, müssen, dürfen, sollen, wissen, brauchen benutzt man die eigene Konjunktiv-II-Form.


6b. Irreale Wünsche und Bedingungen (wenn)

Irreale Gegenwart:

  1. Wenn ich mehr Zeit hätte, würde ich öfter Sport machen.
  2. If I had more time, I would exercise more often.

  3. Wenn ich reich wäre, würde ich eine Weltreise machen.

  4. If I were rich, I would travel around the world.

  5. Wenn es nicht regnen würde, könnten wir draußen essen.

  6. If it weren't raining, we could eat outside.

  7. Wenn ich besser Deutsch könnte, würde ich mich auf die Stelle bewerben.

  8. If I could speak German better, I would apply for the position.

Struktur Gegenwart: Wenn + Subjekt + ... + Konjunktiv II (am Ende), Konjunktiv II + Subjekt + ... Oder ohne "wenn": Hätte ich mehr Zeit, würde ich... (Verb am Anfang)

Irreale Vergangenheit:

  1. Wenn ich das gewusst hätte, wäre ich nicht gekommen.
  2. If I had known that, I wouldn't have come.

  3. Wenn du mich gefragt hättest, hätte ich dir geholfen.

  4. If you had asked me, I would have helped you.

  5. Wenn wir früher losgefahren wären, hätten wir den Zug noch erreicht.

  6. If we had left earlier, we would have caught the train.

Struktur Vergangenheit: Wenn + Subjekt + ... + Partizip II + hätte/wäre, hätte/wäre + Subjekt + Partizip II → hätte für die meisten Verben, wäre für Bewegung/Zustandsänderung + sein


6c. Ratschläge geben

  1. An deiner Stelle würde ich zum Arzt gehen.
  2. If I were you, I would go to the doctor.

  3. Du solltest dich früher bewerben, sonst sind die Plätze weg.

  4. You should apply earlier, otherwise the spots will be gone.

  5. Es wäre besser, wenn du direkt mit dem Chef sprechen würdest.

  6. It would be better if you spoke directly with the boss.

  7. Ich würde an deiner Stelle den Vertrag nochmal lesen.

  8. I would read the contract again if I were you.

  9. Ihr solltet nicht so spät ins Bett gehen — morgen ist Schule. [informell]

  10. You shouldn't go to bed so late — tomorrow is school.

6d. Bedauern und Reue

  1. Ich hätte mehr lernen sollen.
  2. I should have studied more.

  3. Wir hätten früher anfangen müssen.

  4. We should have started earlier.

  5. Das hätte nicht passieren dürfen.

  6. That shouldn't have been allowed to happen.

  7. Wenn ich nur mehr Zeit gehabt hätte!

  8. If only I had had more time!

7. Relativsätze


7a. Relativpronomen — erklärt durch Beispiele

Nominativ (wer/was tut etwas im Relativsatz?):

  1. Das ist der Mann, der gestern angerufen hat. (maskulin, Nom)
  2. That's the man who called yesterday.

  3. Kennst du die Frau, die neben uns wohnt? (feminin, Nom)

  4. Do you know the woman who lives next to us?

  5. Das ist das Restaurant, das letzte Woche eröffnet hat. (neutrum, Nom)

  6. That's the restaurant that opened last week.

  7. Das sind die Leute, die uns geholfen haben. (Plural, Nom)

  8. Those are the people who helped us.

Akkusativ (wen/was betrifft die Handlung im Relativsatz?):

  1. Das ist der Film, den ich dir empfohlen habe. (maskulin, Akk)
  2. That's the movie I recommended to you.

  3. Die Pizza, die du bestellt hast, ist kalt. (feminin, Akk)

  4. The pizza you ordered is cold.

  5. Das Buch, das ich gerade lese, ist sehr spannend. (neutrum, Akk)

  6. The book I'm reading right now is very exciting.

Dativ (wem wird etwas getan im Relativsatz?):

  1. Das ist der Kollege, dem ich immer bei der Arbeit helfe. (maskulin, Dat)
  2. That's the colleague I always help at work.

  3. Die Frau, der ich die Tasche gegeben habe, war sehr dankbar. (feminin, Dat)

  4. The woman I gave the bag to was very grateful.

  5. Die Kinder, denen wir die Geschenke gebracht haben, haben sich gefreut. (Plural, Dat)

    • The children we brought the gifts to were happy.

Genitiv (wessen? — whose):

  1. Das ist der Mann, dessen Auto gestohlen wurde. (maskulin, Gen)

    • That's the man whose car was stolen.
  2. Die Kollegin, deren Büro neben meinem ist, ist sehr nett. (feminin, Gen)

    • The colleague whose office is next to mine is very nice.
  3. Das Kind, dessen Eltern nicht da sind, weint. (neutrum, Gen)

    • The child whose parents aren't there is crying.

Die Tabelle:

Maskulin Feminin Neutrum Plural
Nom der die das die
Akk den die das die
Dat dem der dem denen
Gen dessen deren dessen deren

Tipp: Relativpronomen = bestimmter Artikel — außer im Dativ Plural (denen) und im Genitiv (dessen/deren). Das Verb im Relativsatz steht am Ende.


7b. Relativsätze mit Präpositionen

  1. Das ist die Stadt, in der ich aufgewachsen bin.
  2. That's the city I grew up in.

  3. Der Stuhl, auf dem du sitzt, ist kaputt.

  4. The chair you're sitting on is broken.

  5. Die Firma, für die ich arbeite, hat 500 Mitarbeiter.

  6. The company I work for has 500 employees.

  7. Das ist der Freund, mit dem ich nach Spanien gefahren bin.

  8. That's the friend I went to Spain with.

Struktur: Präposition + Relativpronomen (Kasus richtet sich nach der Präposition).


8. Zeitformen — Wann benutze ich welche Zeit?


8a. Präsens (Gegenwart, Gewohnheiten, Zukunft)

Beispiele:

  1. Ich arbeite bei einer IT-Firma. (Gegenwart)
  2. I work at an IT company.

  3. Er trinkt jeden Morgen einen Kaffee. (Gewohnheit)

  4. He drinks a coffee every morning.

  5. Wir fliegen nächste Woche nach Rom. (Zukunft mit Zeitangabe)

  6. We're flying to Rome next week.

  7. Kolumbus entdeckt Amerika 1492. (historisches Präsens)

  8. Columbus discovers America in 1492.

Benutze Präsens für: jetzt, Gewohnheiten, Zukunft mit Zeitangabe, allgemeine Wahrheiten


8b. Perfekt (mündliche Vergangenheit)

Beispiele:

  1. Ich habe gestern lange gearbeitet.
  2. I worked for a long time yesterday.

  3. Wir sind letztes Jahr nach Griechenland geflogen.

  4. We flew to Greece last year.

  5. Hast du schon gegessen? [informell]

  6. Have you already eaten?

  7. Sie hat sich gestern bei der neuen Firma beworben.

  8. She applied at the new company yesterday.

Struktur: haben/sein (konjugiert) + ... + Partizip II (am Ende) sein für: Bewegung (gehen, fahren, fliegen, kommen), Zustandsänderung (aufwachen, einschlafen, sterben), sein, bleiben, werden, passieren


8c. Präteritum (schriftliche Vergangenheit)

Im gesprochenen Deutsch benutzt man Präteritum fast nur für:

  1. Ich war gestern krank. (sein)
  2. I was sick yesterday.

  3. Ich hatte keine Zeit. (haben)

  4. I had no time.

  5. Ich konnte leider nicht kommen. (Modalverben)

  6. I unfortunately couldn't come.

  7. Es gab kein Brot mehr im Supermarkt. (geben)

  8. There was no bread left in the supermarket.

Im geschriebenen Deutsch (Nachrichten, Berichte, Erzählungen):

  1. Die Polizei fand den Dieb nach drei Tagen. Der Mann gestand die Tat sofort.
  2. The police found the thief after three days. The man confessed immediately.

  3. Sie studierte fünf Jahre in Berlin und zog danach nach Wien.

  4. She studied five years in Berlin and then moved to Vienna.

Entscheidungshilfe — Perfekt oder Präteritum?

Situation Welche Zeit? Beispiel
Sprechen (Alltag) Perfekt "Ich habe eingekauft."
Sprechen mit sein/haben/Modals Präteritum "Ich war krank." / "Ich konnte nicht."
Schreiben (Berichte, E-Mails) Präteritum "Ich besuchte die Messe."
Erzählen (Geschichten, Märchen) Präteritum "Es war einmal..."

8d. Plusquamperfekt (Vorvergangenheit)

Wird benutzt, wenn etwas VOR einem anderen vergangenen Ereignis passiert ist.

  1. Nachdem ich gegessen hatte, ging ich spazieren.
  2. After I had eaten, I went for a walk.

  3. Er kam zu spät, weil der Zug Verspätung gehabt hatte.

  4. He arrived late because the train had been delayed.

  5. Nachdem sie die Prüfung bestanden hatte, feierte sie mit Freunden.

  6. After she had passed the exam, she celebrated with friends.

  7. Ich war müde, weil ich die ganze Nacht nicht geschlafen hatte.

  8. I was tired because I hadn't slept all night.

Struktur: hatte/war + Partizip II Typisch nach: nachdem, als, weil — wenn die Handlung VOR der anderen liegt. Achtung bei "nachdem": Der nachdem-Satz ist immer eine Zeitstufe FRÜHER als der Hauptsatz.


8e. Futur I (Zukunft, Vermutung, Versprechen)

Beispiele:

  1. Ich werde dich morgen anrufen — versprochen! (Versprechen)
  2. I will call you tomorrow — promise!

  3. Das Wetter wird nächste Woche besser werden. (Vorhersage)

  4. The weather will get better next week.

  5. Er wird wohl noch im Büro sein. (Vermutung über die Gegenwart)

  6. He's probably still at the office.

  7. Wir werden dieses Problem lösen. (feste Absicht)

  8. We will solve this problem.

Struktur: werden (konjugiert) + Infinitiv (am Ende)

Tipp: Für Zukunft wird im Alltag meistens Präsens + Zeitangabe verwendet: "Ich rufe dich morgen an" statt "Ich werde dich morgen anrufen." Futur I wirkt formeller oder betont den Willen/die Vermutung stärker.


Zeiten-Übersicht (Zeitstrahl)

Plusquamperfekt → Präteritum/Perfekt → Präsens → Futur I
(hatte gemacht)   (machte/habe gemacht) (mache)   (werde machen)
     ↓                    ↓                 ↓           ↓
  Vorvergangenheit    Vergangenheit      Gegenwart    Zukunft

9. Reflexive Verben


9a. Häufige reflexive Verben (Akkusativ)

Beispiele im Alltag:

  1. Ich freue mich auf das Wochenende!
  2. I'm looking forward to the weekend!

  3. Er ärgert sich über seinen Chef, weil er immer Überstunden machen muss.

  4. He's annoyed with his boss because he always has to work overtime.

  5. Erinnerst du dich an unseren ersten Urlaub? [informell]

  6. Do you remember our first vacation?

  7. Ich bewerbe mich gerade bei drei verschiedenen Firmen.

  8. I'm currently applying to three different companies.

  9. Ich möchte mich beschweren — das Essen war kalt. [formal]

  10. I would like to complain — the food was cold.

  11. Ich fühle mich heute nicht so gut.

  12. I don't feel so well today.

  13. Darf ich mich vorstellen? Mein Name ist Müller. [formal]

  14. May I introduce myself? My name is Müller.

  15. Ich möchte mich entschuldigen für die Verspätung. [formal]

  16. I would like to apologize for the delay.

Reflexivpronomen (Akkusativ):

Person Pronomen
ich mich
du dich
er/sie/es sich
wir uns
ihr euch
sie/Sie sich

Wichtige reflexive Verben mit fester Präposition:

Verb Präposition + Kasus Beispiel
sich freuen auf + Akk (Zukunft) Ich freue mich auf den Urlaub.
sich freuen über + Akk (Gegenwart) Ich freue mich über das Geschenk.
sich ärgern über + Akk Er ärgert sich über den Lärm.
sich erinnern an + Akk Erinnerst du dich an ihn?
sich bewerben um + Akk / bei + Dat Ich bewerbe mich um die Stelle bei Siemens.
sich beschweren über + Akk / bei + Dat Ich beschwere mich über den Service beim Chef.
sich interessieren für + Akk Sie interessiert sich für Kunst.
sich kümmern um + Akk Wer kümmert sich um die Kinder?
sich entschuldigen für + Akk / bei + Dat Ich entschuldige mich für den Fehler bei Ihnen.
sich gewöhnen an + Akk Ich habe mich an das Wetter gewöhnt.
sich verlassen auf + Akk Du kannst dich auf mich verlassen.

9b. Reflexive Verben im Dativ

Wann Dativ statt Akkusativ? Wenn nach dem reflexiven Pronomen noch ein Akkusativobjekt kommt (Körperteil, Gegenstand).

Vergleich:

Akkusativ-Reflexiv Dativ-Reflexiv
Ich wasche mich. (Ich wasche mich selbst.) Ich wasche mir die Hände. (Hände = Akk-Objekt)
Ich ziehe mich an. (Ich ziehe mich selbst an.) Ich ziehe mir eine Jacke an. (Jacke = Akk-Objekt)

Beispiele:

  1. Ich putze mir die Zähne. (nicht: mich)
  2. I brush my teeth.

  3. Kannst du dir das vorstellen? [informell]

  4. Can you imagine that?

  5. Ich überlege mir, ob ich den Job annehme.

  6. I'm considering whether to take the job.

  7. Ich habe mir ein neues Fahrrad gekauft.

  8. I bought myself a new bike.

  9. Wünsch dir etwas! [informell]

  10. Make a wish!

Reflexivpronomen (Dativ):

Person Akkusativ Dativ
ich mich mir
du dich dir
er/sie/es sich sich
wir uns uns
ihr euch euch
sie/Sie sich sich

Tipp: Nur bei ich und du gibt es einen Unterschied (mich/mir, dich/dir). Bei allen anderen Personen sind Akkusativ und Dativ gleich.


10. Nomen-Verb-Verbindungen (häufigste)

Feste Kombinationen aus Nomen und Verb, die zusammen eine Bedeutung haben. Im Deutschen sagt man nicht einfach "fragen" — man stellt eine Frage. Diese Wendungen klingen natürlicher und sind wichtig für die Prüfung.

(Siehe auch: 11_redewendungen.md für mehr B2-Wendungen.)


eine Frage stellen — to ask a question

  1. Darf ich Ihnen eine Frage stellen? [formal]
  2. May I ask you a question?

  3. Im Meeting hat niemand eine Frage gestellt, obwohl das Thema kompliziert war.

  4. Nobody asked a question in the meeting, although the topic was complicated.

eine Entscheidung treffen — to make a decision

  1. Wir müssen jetzt eine Entscheidung treffen, da die Frist morgen abläuft. [formal]
  2. We need to make a decision now since the deadline expires tomorrow.

  3. Hast du schon eine Entscheidung getroffen? [informell]

  4. Have you made a decision yet?

Bescheid geben / sagen — to let someone know

  1. Gib mir Bescheid, wenn du fertig bist. [informell]
  2. Let me know when you're done.

  3. Ich gebe Ihnen Bescheid, sobald wir eine Antwort haben. [formal]

  4. I'll let you know as soon as we have an answer.

zur Verfügung stehen / stellen — to be available / to provide

  1. Ich stehe Ihnen jederzeit zur Verfügung. [formal]
  2. I'm available to you at any time.

  3. Die Firma stellt den Mitarbeitern Laptops zur Verfügung.

  4. The company provides laptops to employees.

in Betracht ziehen — to take into consideration

  1. Wir sollten auch andere Möglichkeiten in Betracht ziehen. [formal]
  2. We should also consider other options.

Rücksicht nehmen auf — to be considerate of

  1. Bitte nehmen Sie Rücksicht auf die Nachbarn — es ist nach 22 Uhr. [formal]

    • Please be considerate of the neighbors — it's past 10 PM.
  2. Er nimmt nie Rücksicht auf andere. [informell]

    • He's never considerate of others.

eine Rolle spielen — to play a role / to matter

  1. Das Alter spielt keine Rolle — Hauptsache, du bist motiviert.

    • Age doesn't matter — the main thing is you're motivated.
  2. Erfahrung spielt bei dieser Stelle eine große Rolle. [formal]

    • Experience plays a big role for this position.

Wert legen auf — to value / to attach importance to

  1. Unser Chef legt großen Wert auf Pünktlichkeit.

    • Our boss values punctuality highly.
  2. Ich lege Wert auf eine gute Work-Life-Balance. [formal]

    • I value a good work-life balance.

Weitere wichtige Nomen-Verb-Verbindungen

Wendung Bedeutung Beispielsatz
einen Vorschlag machen to make a suggestion Darf ich einen Vorschlag machen?
einen Antrag stellen to submit an application Sie hat einen Antrag auf Kindergeld gestellt.
Maßnahmen ergreifen to take measures Die Regierung muss Maßnahmen ergreifen.
Kritik üben an + Dat to criticize Er übt oft Kritik an seinen Kollegen.
einen Beitrag leisten to make a contribution Jeder kann einen Beitrag zum Umweltschutz leisten.
Einfluss haben auf + Akk to have influence on Das Wetter hat großen Einfluss auf meine Stimmung.
in Kauf nehmen to accept/tolerate Ich nehme den langen Arbeitsweg in Kauf.
Bezug nehmen auf + Akk to refer to Ich nehme Bezug auf Ihr Schreiben vom 15. März. [formal]
einen Eindruck machen to make an impression Sie hat einen guten Eindruck gemacht.
Abschied nehmen to say goodbye Wir mussten Abschied nehmen.

Schnellreferenz — Alle Themen auf einen Blick

Thema Kernregel Typischer Fehler
Adjektivdeklination Nach best. Artikel: fast immer -en (außer 5x -e) "der großer Mann" statt "der große Mann"
Komparativ ...er als / am ...sten "mehr gut" statt "besser"
Präpositionen Akk (für/um/durch...), Dat (mit/nach/bei...) "mit mich" statt "mit mir"
Wechselpräp. Wohin → Akk, Wo → Dat "Ich bin in den Büro" statt "im Büro"
Modalverben nicht müssen ≠ nicht dürfen "Du musst nicht" als Verbot (= dürfen nicht)
Passiv werden + Partizip II "ist repariert" statt "wird repariert" (Vorgang)
Konjunktiv II würde/hätte/wäre/könnte "Wenn ich wäre..." statt "Wenn ich ... wäre"
Relativsätze Verb am Ende, Pronomen = Artikel (außer Dat Pl + Gen) "der Mann, der ich kenne" statt "den ich kenne"
Zeiten Sprechen → Perfekt, Schreiben → Präteritum "Ich habe gewesen" statt "Ich bin gewesen"
Reflexive Verben Akk-Objekt dabei → Reflexivpronomen im Dativ "Ich wasche mich die Hände" statt "mir"
Nomen-Verb Feste Kombinationen lernen "eine Frage fragen" statt "eine Frage stellen"

Viel Erfolg beim Lernen! Lies die Beispielsätze laut — so lernst du Grammatik am besten.